Deutsche Glasmaschinenhersteller blicken verhalten optimistisch in die Zukunft

Messe Düsseldorf

Das vergangene Jahr haben die deutschen Glasmaschinenhersteller mit einer moderaten Erhöhung ihres Vorjahresumsatzes von etwa 1 Milliarde Euro abgeschlossen. Die Hauptexportregion war nach wie vor Europa.

Die Erwartungen der deutschen Glasmaschinenhersteller für das Jahr 2017 sind unterschiedlich. Sie reichen, je nach Produktbereich und Absatzregion, von eher verhalten über positiv bis hin zu sehr gut. Eine Umfrage des VDMA-Forum-Glastechnik, in dem mehr als 90 Prozent der deutschen Glasmaschinenhersteller organisiert sind, hatte ergeben, dass die Mehrheit der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage im abgelaufenen Jahr 2016 als zufriedenstellend bezeichnete. Allerdings sei, die Zahl der Firmen, die ihre Geschäftslage als gut bewerteten, leicht gesunken, sagte Timo Feuerbach, VDMA-Referent für das Forum Glastechnik, auf der Mitgliederversammlung des Forums am 15. November., Er bezeichnete die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr als "verhalten optimistisch". Sowohl beim Umsatz als auch bei der Mitarbeiterzahl werde Wachstum überwiegen.

Im Flachglasbereich dürfte die Talsohle durchschritten sein. Die Flachglaspreise steigen weltweit und auch die Nachfrage habe sich verbessert, berichtete Egbert Wenninger, verantwortlich für Marketing und Service bei der Grenzebach Gruppe.  Das gelte insbesondere für Nordamerika. Steigerungsraten wie vor 2 oder 3 Jahren seien allerdings nicht zu erwarten. Es gebe immer mehr Anbieter auf dem Markt. Und das verschärft den Wettbewerb, erläuterte er.

Unterschiedliche Erwartungen in den Teilbranchen
Positiv entwickelt sich auch der Bereich Displayglas. Die Zahl der Unternehmen, die für 2017 ein besseres Geschäft erwartet, hat sich gegenüber dem laufenden Jahr verdoppelt. Erheblich gestiegen sind der Umfrage zufolge auch die Erwartungen im Bereich Automotive Glas. Allerdings ergibt sich insgesamt auch in diesen Bereichen kein völlig einheitliches Bild und Unternehmen sprechen teils auch von einer eher verhaltenen Entwicklung. Ähnlich ist die Situation bei Maschinen und Anlagen für Solarglas. Während einige Hersteller von überraschend guten Geschäften vor allem in Dünnschicht-Bereich berichten, sehen andere kaum mehr als Stagnation.

Allgemein geklagt wurde über den zunehmenden Mangel an Facharbeitern. Für die Unternehmen werde es, wie der Vorsitzende des Forums Glastechnik, Dr. Bernd-Holger Zippe sagte, immer schwieriger, geeignetes Personal zu bekommen. Das gelte insbesondere dann, wenn es darum gehe, neue Mitarbeiter für Montage- und Servicearbeiten im Ausland zu gewinnen. Die Bereitschaft, derartige Tätigkeiten längerfristig auszuüben, nehme zusehends ab. Zippe: "Daran werden wir alle arbeiten müssen."

Gedämpfte Erwartungen in China
Größte Exportregion der deutschen Glasmaschinenhersteller ist nach wie vor Europa. Wachstumsmärkte sind der Nahe Osten sowie Zentral- und Südasien. Die Erwartungen für China sind der Umfrage zufolge gedämpft. Nachgefragt werden dort aktuell vor allem Maschinen und Anlagen zur Herstellung qualitativ hochwertiger Gläser, unter anderem im Dünn- und Rohrglasbereich. Der Markt für Standardmaschinen ist weitgehend gesättigt. In diesem Jahr wird mit weiteren Rückgängen gerechnet. Dasselbe gilt für Südostasien. Einbußen, wenn auch in geringem Umfang, werden auch für Nordamerika prognostiziert. Das Geschäft mit Lateinamerika soll weitgehend stabil bleiben.

Eine zunehmend größere Rolle als zukünftiger Absatzmarkt spielt der Iran. Das Land, so Forum-Vorsitzender Zippe, "ist dabei, sich zu öffnen". Woran es jedoch mangelt, sind die erforderlichen Devisen. Das Interesse von iranischer Seite sei zwar vorhanden, erläuterte VDMA-Iranexperte Klaus Friedrich. Es gebe eine verhältnismäßig hohe Nachfrage, aber kaum konkrete Geschäfte. Den Firmen rät Friedrich, sich bei Lieferungen in den Iran nicht freiwillig oder auf Anraten Dritter in Beschränkungsverfahren zu begeben, die gar nicht nötig seien. Bis zum Jahresende rechnet er für den gesamten deutschen Maschinenbau mit einem Wachstum des Iran-Geschäfts von 15 bis 20 Prozent. Allerdings, wie er betont, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau.

Experten hinzuziehen
Veronika Häuslschmid, Mitarbeiterin in der Rechtsabteilung des VDMA, appellierte an die Unternehmen, bei Abschluss von Verträgen mit ausländischen Abnehmern Experten hinzuzuziehen. Wichtig sei, genau zu klären, welches Recht auf die Verträge angewandt wird. Besondere Vorsicht sei auch in den USA geboten. Dort, so die Rechtsanwältin, "gilt in jedem Staat etwas Anderes". Englisches Recht sollte nur gewählt werden, wenn man "genau weiß, was man tut". Welches Landesrecht jeweils gewählt werde, müsse in jedem Einzelfall gesondert geprüft werden. Häuslschmid warnte vor unterschiedlichen Verjährungsfristen und Voraussetzungen für Schadensersatzansprüche. Was in einem Land gelte, gelte in dem anderen noch lange nicht.

Gastgeber der Mitgliederversammlung des VDMA Forums Glastechnik war die Sorg-Gruppe. Der in Lohr ansässige Spezialist im Bereich Glasschmelz- und Konditionierungssysteme hatte die Teilnehmer am Vortag zu einer Betriebsbesichtigung eingeladen.